Die Schule

Vor der Reformation im Jahre 1517 haben auf dem Eichsfeld wahrscheinlich keine Volksschulen bestanden. In den Städten und größeren Dörfern gab es eventuell Sonntagschristenlehre, die vom Pfarrer gehalten wurde, meist nach dem Gottesdienst. Sie diente zur Unterweisung der Jugend in praktischen, besonders in religiösen Dingen. Durch den Bauernkrieg (1525) und die Reformationszeit geriet die Sonntagschristenlehre in Verfall. Am 3.12.1834 erklärten die Bewohner von Fürstenhagen auf dem Schulzenamt in Lutter, dass sie ihre Kinder zur Schule nach Lutter schicken würden. Wahrscheinlich haben die etwa 10 Kinder aus Fürstenhagen seit der Neugründung des Ortes im Jahre 1828 überhaupt keine Schule besucht. Doch der Schulbesuch in Lutter war sehr unregelmäßig. Im Winter nahmen die Kinder kaum am Unterricht teil. Deshalb verfügte die Regierung in Erfurt am 7.11.1851, dass in Fürstenhagen eine Schule gegründet werde. Am 15.12.1851 schloss im Auftrage der Regierung der Schulinspektor Lotze mit dem Lehrer Dunkelberg aus Dieterode einen Vertrag, dass der Lehrer wöchentlich zweimal Unterricht in Fürstenhagen halten solle, hauptsächlich in Religion, Rechnen, Schreiben und Lesen. Das erste Aufnahme- und Entlassungsbuch der Schule datiert aus dem Jahre 1878. Im Jahre 1897 begann der Bau einer Schule für 17000 Mark. Die Bauarbeiten sind mangelhaft ausgefallen. Das Schulgebäude enthält im unteren Stockwerk das Schulzimmer (42 m2) und ein Fremdenzimmer. Das Fremdenzimmer wurde als Aufbewahrungsraum genutzt und war wegen der dahinterliegenden Zisterne sehr feucht. Die Schulgeräte und Lehrmittel waren sehr bescheiden. Im oberen Stockwerk ist die Wohnung des Lehrers, bestehend aus 3 Zimmern und einer Küche. Am 1.10.1898 wurde die neue Schule eingeweiht. Im Laufe des Herbstes wurde das Schulgebäude von außen saniert und das Schulzimmer neu gestrichen. Auf dem Schulhof konnte ein Reck aufgestellt werden. Die alte Schulglocke, die seit dem Kirchenbau 1896 unbenutzt auf dem Turmboden ihr Dasein fristete, wurde im Portale des Schulhauses aufgehängt. Am 23.5.1919 wurden in Lutter 3 Schulkinder aus Fürstenhagen geimpft und zum ersten Male die Schulanfänger einer ärztlichen Untersuchung unterzogen. Ab dem Schuljahr 1925 wurde eine zweimalige ärztliche Untersuchung der Kinder eingeführt. 1927 wurde eine gründliche Reparatur an der Schule vorgenommen.

Der Fußboden wurde zum ersten Male mit Öl behandelt. Seit 1913 war an der Schule keinerlei Reparatur vorgenommen worden. Das Schulzimmer war seit 1913 nicht einmal geweißt und glich einer Räuberhöhle! 1929 wurde die Westwand des Schulgebäude's mit Blechtafeln beschlagen. In der einklassigen Schule herrschten schwierige Bedingungen. So mussten 40 Schüler von der l.-8. Klasse in einem Raum im Schichtunterricht von 8 bis 13.30 Uhr unterrichtet werden. Die schulischen Verhältnisse waren außerordentlich primitiv: Die Schulbänke waren verbraucht, wackelten und quietschten. Außer einigen veralteten Wandkarten (Landkarten) und biologischen Bildern war an Lehrmitteln nichts vorhanden. Es mangelte an Tinte, Kreide usw. Die Gemeinde Lutter, als Träger der äußeren Schulverhältnisse, war nicht gewillt, für die Schule Gelder zur Verfügung zu stellen. Die Lehrerwohnung befand sich in einem verwahrlosten Zustand. Lehrer Müller musste lange mit dem Bürgermeister Franz Dietrich kämpfen, bevor die notwendigen Veränderungen und Reparaturen an der Lehrerwohnung durchgeführt wurden. Erst nach einer Besichtigung der Schule durch den Regierungsbaurat Otto und später durch den Landrat Graf wurde sofort mit der Durchführung der Arbeiten begonnen (1934/35). Einige Jahre später wurde der Hofraum instandgesetzt und in den Klassenraum eine elektrische Leitung mit einer Deckenlampe und einer Steckdose verlegt. In Fürstenhagen gab es schon seit 1925 elektrisches Licht! Für die Anschaffung von Lehr- und Lernmitteln konnten zunächst keine Gelder flüssig gemacht werden. Ab 1.9.1956 gingen die Schüler von Fürstenhagen in die neu erbaute Zentralschule nach Lutter. Der Schulbus brachte sie mit den Schülern aus Kalteneber nach Lutter und zurück. Lehrer Müller unterrichtete in Lutter. Damit war nach 104 Jahren der Unterrichtsbetrieb in Fürstenhagen erloschen. Die Ehefrau von Max Müller, Anna, unterrichtete ab 1958 auch in Lutter. Das Lehrer-Ehepaar Müller ging 1963 bzw. 1966 in den Ruhestand, wohnte aber weiterhin im Schulgebäude. Ab 1966 diente der Unterrichtssaal als Jugendzimmer für die Dorfjugend. Nach dem Umbau des Schulsaales 1974/75 wurde im April 1975 hier die Konsum-Verkaufsstelle (25 m2 Verkaufsraumfläche) untergebracht, die bis zu ihrer Schließung im Oktober 1992 von Frau Anna Gunkel geleitet wurde. Der Ort wird seitdem zweimal wöchentlich von Lemke's fahrbaren "Supermarkt" angefahren. Im Jahre 1994 wurde das Schulgebäude von der Gemeinde Lutter verkauft. Es wird nach umfangreichen Sanierungs- und Umbauarbeiten als Wohnhaus genutzt.

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