Die Neugründung Fürstenhagens und seine Geschichte
Der kleine am Rande des Lengenberges gelegene Ort Fürstenhagen ist das
jüngste Dorf des Eichsfeldes und liegt 490m über dem Meeresspiegel.
Zur Zeit hat Fürstenhagen 32 männliche und 31 weibliche Einwohner (63 Einwohner insgesamt). Seit 2005 ist die Einwohnerzahl um drei Einwohner (2
und 1
) gesunken.
Die Neugründung erfolgte am 20.08.1828 durch Christoph Koch (Nagel- und
Messerschmied, gebürtig aus Silbach im Sauerland [Westfalen]) der an diesem
Tag mit dem Bau des ersten Wohnhauses begann. Christoph Koch war Handelsmann
in Weidenbach (Kurhessen). Laut einer Verfügung des Landes Hessen wurden
alle Personen die nicht in Hessen geboren waren, im Jahre 1827 des Landes verwiesen,
so auch Christoph Koch. Als er eines Tages von Mackenrode kommend, auf der östlichen
Abdachung des Lengenberges Ausschau hielt, fiel sein Blick auf ein weites Stück
Land, das von Dornengestrüpp und Steingeröll überwuchert war.
Er entschloss hier ein Haus zu bauen.
Der Grund und Boden Gehörte der Gemeinde Lutter. Sein Baumaterial waren
die Überreste einer alten Scheune (Steine und Lehm aus der Umgebung). Leute
aus Lutter verhinderten den Bau indem sie nachts alles vernichteten. Auch die
Gemeinde Lutter erhob Einspruch. Ch. Koch wandte sich an die Heiligenstädter
Behörden. Am 20.08.1828 erhielt er die Bauerlaubnis und konnte im Frühjahr
1829 einziehen. Das Haus glich mehr einen überdachten Keller als einem
Haus. Zu Beginn dieses Jahrhunderts war das erste Haus in Besitz von Martin
Ständer. Das Grundstück gehört heute Witwe Rosa Rensch. Das jetzige
Wohnhaus neben der Gaststätte Gunkel wurde 1926 gebaut. Ein Teil des auf
Feldsteinen gemauerten Hauses von Christoph Koch ist noch als Schuppen und Stallung
erhalten.
Die gesunde Waldluft, der herrliche Fernblick von der Höhe und die ruhige
Lage lockte bald noch mehr Siedler an. Im Jahre 1829 baute Peter Gehrt aus Wüstheuterode
das 2. Haus, dessen Sohn Melchior im Jahre 1896 die Kirche bauen ließ. 1832
errichtete Heinrich Weske das 3. Haus. Im Jahre 1833 baute Johannes Göbel
aus Mackenrode das 4. Haus, Johannes Dietrich das 5. Haus, Peter Gehrt das 6.
Haus (sein 2. Haus) und Martin Ersterhelt, ein Schuster aus Bornhagen, das 7.
Haus. 1834 baute Franz Weske aus Eichstruth das 8. Haus und Nikolas Koch das
9. Haus . Im Jahre 1844 errichtete Johannes Anhalt das 10. Haus. Erst 1857 erbaute
Peter Dietrich und Michael Trümper das 11. Haus.
Fürstenhagen gehörte (und gehört) zur Gemeinde Lutter und zur
Pfarrei Kalteneber . Probleme
mit der Wasserversorgung gab es von Anfang an. Der Dorfgründer Christoph
Koch ist durch einen Unglücksfall zu Tode gekommen. Er wurde in Fürstenhagen
beerdigt.
Der Überlieferung nach sollen die Bauern in Fürstenhagen
das umliegende Land mit Ochsengespannen bewirtschaftet haben. Die Ackerflächen
wuchsen im Laufe der Jahrzehnte auf 65 Hekter. Bereits 1839/45 wurde das Forsthaus
Lengenberg gebaut. 1897 die Schule, ein Jahr zuvor die Kirche, 1913/14 der Bahnhof,
1924 das weithin sichtbare Haus der Familie Schneemann und 1928 die Zigarrenfabrik
gegenüber dem Bahnhof (heute Gerhard Riethmüller). Fürstenhagen
ist ein reines Straßendorf. Da der Ort Fürstenhagen zur politischen Gemeinde
Lutter gehört und keinen eigenen Schulzen hatte, trat an dessen Stelle
ein Schöppe (Schöffe). Er wurde auf 6 Jahre gewählt. Bis zum
Jahre 1924 durften die Fürstenhagener an keiner Wahl zur Gemeindevertretung
teilnehmen.
Zum 100-jahrigen Bestehens von Fürstenhagen wurde vor dem Dorf (heute Buswendeschleife)
eine Gedächtnislinde gepflanzt und eine Urkunde eingegraben. Zu dieser
Zeit hatte Fürstenhagen 179 Einwohner. Von den Auswirkungen des 2. Weltkrieges
ist der Ort weitgehend verschont geblieben, bis auf den Beschuss durch amerikanische
Panzer am 8. April 1945. Im August 1978 wurde die 150-Jahr-Feier des Ortes begangen.
Lehrer Max Müller hielt die Festrede.
Als anerkannter Heimatforscher informierte er die Einwohner und zahlreichen
Gäste aus nah und fern über die geschichtliche Entwicklung "seines"
Dorfes. Zu DDR-Zeiten durften keine Neubauten in Fürstenhagen errichtet
werden. Wegen der Grenznähe sollten die kleinen Ortschaften möglichst
entvölkert werden. Erst nach der Wende, in den Jahren 1992 bis 1994, hat
Bernward Kistner den ersten Neubau nach dem 2. Weltkriege in Fürstenhagen
errichtet.
[Die gekürtze Chronik (Die Chronik von Lutter und dem Ortsteil Fürstenhagen)
von Stephan Lindenbauer]