Das Backhaus

Backhaus von FürstenhagenDa Fürstenhagen erst 1828 neu gegründet worden ist und die Bewohner nur kleine Höfe bewirtschafteten, lohnte sich der Bau eines Backhauses nur, wenn man es für die wenigen Bewohner gemeinsam betrieb.

Weil sich der Bau einer Kirche in den ersten Jahrzehnten nicht realisieren ließ, haben die Bewohner des Ortes die bereits vorhandenen Sandsteine für den Kirchenbau zur Errichtung eines Backhauses auf dem Anger verwendet. Der Bau erfolgte nach 1862 in kurzer Zeit, da ein dringender Bedarf bestand.

Zum Heizen des Ofens schleppte man Hecken- oder Baumreisig sowie armstarke Knüppel herbei. Das Feuer wurde in der Regel am Vortage am Ofeneingang entzündet, um es dann mit einer Eisenstange in alle Teile des Ofens zu schicken, solange, bis die Ofensteine eine grauweiße Färbung bekommen. Der gemauerte Steinbackofen arbeitet mit gespeicherter Wärme, die während des Backens abfällt. Etwa 300 Grad Celsius beträgt die Anfangstemperatur.

Die Frauen brachten den zu Laiben geformten Brotteig zum Backhaus um damit den Ofen zu füllen. Da das Brot eine längere Backzeit als der Kuchen benötigte, wurde Brot und Kuchen stets getrennt gebacken.

Nach den Broten werden die Kuchen "eingeschossen". Wenn nur Kuchen gebacken werden sollte, wurde der Ofen drei Stunden vorher angeheizt. Im Backhaus befand sich rechts ein Eisengestell zur Ablage der Kuchenbleche und links eine Bank.

Georg-Josef Gunkel als BäckerHochbetrieb herrschte beim Kuchenbacken im Backhaus vor den Feiertagen, den Namenstagen und der Kirmes.

Nach dem 2. Weltkriege, besonders nach der Gründung der LPG, wurden die privat bewirtschafteten Ackerflächen genossenschaftlich genutzt, so dass den Bewohnern keine ausreichende eigene Anbaufläche für Getreide zur Verfügung stand und sie das Brotbacken einstellten.

Von Anfang der 50er Jahre bis Ende der 60er Jahre versorgte der Bäcker Werner Günther aus Birkenfelde den Ort mit Brot, Brötchen und Backwaren. Nach der Errichtung der Konsum-Großbäckerei 1973 in Heiligenstadt konnte man Brot, Kuchen und auch Feinbackwaren in der hiesigen Konsum-Verkaufsstelle kaufen. Die Romantik am alten Backofen ging verloren. Der Kuchen wurde jetzt im Elektroherd bzw. in der Backröhre zu Hause gebacken. Das ausgediente Backhaus wurde nur noch als Kohlenschuppen für die Konsum-Verkaufsstelle genutzt.

Der erste Kuchen ist gebackenUm das alte Backhaus als Kulturgut der Nachwelt zu erhallten, hat sich die Gemeinde Lutter bemüht, Fördermittel zu bekommen. So wurde in den Jahren 1994/95 das Dach neu eingedeckt, der Schornstein saniert und die Ofenklappe erneuert. Der Fußboden der Backstube wurde mit Kalksteinen gepflastert und anderes mehr.

Das alte Backhaus wurde für 13.000 Mark instand gesetzt, wovon 80 Prozent der Kosten von der Städtebauförderung getragen wurde. Für die Pflasterung des Angerplatzes, an dem das Backhaus liegt, wurden vom Land Thüringen 67.000 Mark Fördermittel bereitgestellt. Nach einem gelungenen Probelauf wurde anlässlich der 100. Kirchweihfeier' am 17.8.1996 das rekonstruierte alte Backhaus mit dem Backen des Kirmeskuchens "eingeweiht". Der Kirmeskuchen wurde an die Einwohner und zahlreichen Gäste verkauft und mundete allen. So konnte eine alte Tradition wiederbelebt werden.

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